Angelesen Auto Bild Reisemobil

Autobild Reisemobil Rezession

Eine gefestigte Position, zumal eine gefestigte Position in einem gewissen, fortgeschrittenen Alter, kann etwas beruhigendes sein, solange niemand versucht an dieser Stellung zu rütteln. In  der Presselandsandschaft für Reisemobile, teilten sich bislang zwei Gazetten den Hochwald des Publikums und waren somit die

unangefochtenen Platzhirsche. Die Zeitschriften Promobil und Reisemobil lebten schiedlich friedlich nebeneinander und wurden im Laufe der Jahre immer mehr kongruent wie Fiat Ducato und Citroen Jumper.  In diesem Blätterwald wehte aber kein wirklicher Wind mehr. Eigentlich wiederholen sich die Themen von Jahr zu Jahr. Aktuell lesen wir wieder alles über die Camper-Fährverbindungen im Mittelmeer und sicherlich befassen sich die nächsten Ausgaben mit den Fähren in Nord und Ostsee. Immer wieder sind diese Artikel wirklich lesenswert, aber man spürt schon den Rhythmus der Jahrzehnte.
Da wundert es schon ein wenig, wenn der  große Axel Springer Verlag ein, relativ neues Produkt, in den Ring wirft. Wenn auch der Mut für eine monatliche Ausgabe gefehlt hat, so ist die vierteljährliche Erscheinungsweise, von anderen Drucksachen des Hauses, wohl bekannt.
Mit der Autobild Reisemobil, das Magazin für die Freiheit unterwegs, erhält der Leser für 3,90 € eine über 200 seitige Lektüre. Die bisherigen Publikationen sind etwas teurer und ihr Umfang liegt nicht immer auf dem gleichen Niveau. Der Punkt für den günstigeren Preis und die umfangreichere Quantität, geht somit nach Hamburg, zum Stammsitz des Verlages. Doch wie steht es um die inhaltliche Qualität der aktuellen Ausgabe ? Werden neue Themen angesprochen ? Was ist besser gemacht als bei den Pionieren ? Was fehlt der Autobild Reisemobil ? Ohne mein Fazit vorwegzunehmen, kann bereits festgestellt werden, dass diese Form der Reisemobilpublikation sehr gut bei den Lesern angekommen ist. Die, in diversen Foren wahrgenommene Kritik, ist zugleich ein Lob, denn es wird vor allem bemängelt, dass die Zeitung im Handel schneller vergriffen ist, als das der interessierte Leser seinen Camper vor dem Kiosk parken kann ! Vielleicht ist dieser Mangel gewollt, um schneller feste Abonnenten zu generieren.
Kommen wir jedoch nun zum Inhalt der Ausgabe 1/2015. Schlägt man die Seite 3 auf, so lesen wir als erstes den folgenden Satz  von Christian Steiger, dem Chefredakteur: Zitat “Nie war es so vernünftig wie heute, in einen fahrbaren Zweitwohnsitz zu investieren.“ Zitat Ende. Und recht hat er, der Verantwortliche vom Dienst! Er spricht die niedrigen Zinsen an und verweist auf die vielfältigen Risiken der Kapitalanlage hin. Das eigene fahrbare Zuhause, ist wertstabil und mit dem Genussbonus verzinst. Volle Zustimmung ! Dann geht es weiter mit vielen Test schöner Wohnmobile, darunter ein dreier Vergleichstest. Hier ähneln sich die ehemaligen Platzhirschen und der Herausforderer. Große Bilder beanspruchen die meiste Fläche, der Text fällt etwas kürzer aus. Die Grundrisszeichnungen heben sich angenehm von den gewohnten Darstellungen ab. Hier könnte etwas mehr Farbe ins Spiel kommen. Alle verfügbaren Masse, Gewichte, Füllmengen und ähnliches sind in übersichtlichen Tabellen zusammengefasst. Der Spielstand in unserem Vergleich, ist damit unverändert.
Für  meinen Geschmack etwas zu viel Bildzeitung steckt im Artikel über den kommenden VW T6. Wir sehen den T6 als Fotomontage und erkennen darin nicht die in der Überschrift angekündigten „letzten Geheimnisse“ ! Unterhaltsam ist das Thema aber allemal. Toll der Bericht über den ersten Elektro Camper, den auf dem Nissan Leaf basierenden Dalbury E. Nach dem Stand der Dinge bei der Elektromobilität, müssen wir davon ausgehen, dass die zukünftigen Reisen kürzer ausfallen werden und der zur Verfügung stehende Raum wieder mehr zu einem Wanderpackzelt schrumpfen wird.
Sehr gut gefallen haben uns die Reportagen über die Wohnmobil Klassiker. So gut, dass wir hier auch eine Artikelserie aufgemacht haben, in der der Autor seine 20 Jahre Campingbusse nieder schreibt. Gerade der Blick auf diese Klassiker ist wirklich etwas Neues im Blätterwald. In diesem Umfang und in dieser Aufmachung hebt sich die Autobild Reisemobil angenehm vom Rest ab.
Was aber definitiv zu kurz kommt, sind Informationen übe Wohnmobilstellplätze. Hier haben die Konkurrenten ganz klar den Alkoven vorn. Auch die Reiseberichte in schöne Regionen, mit der Beschreibung der  Wohnmobil-Infrastruktur, fehlt oder kommt zu kurz.

Fazit:
Die Autobild Reisemobil ist mehr als nur eine Bereicherung der Szene. Es ist der angenehme frische Wind, der wohltuende neue Stil und das Neue an sich, was dieses Magazin lesenswert macht. Auch die Tatsache, dass es nur vier mal pro Jahr erscheint hat was. So bleibt mehr Zeit zum Lesen, bevor schon der Monat wieder um ist und die neue Ausgabe der Prombil im Briefkasten liegt. Lesen sollte man beide. Thematische Überschneidungen sind naturgemäß nicht ausgeschlossen, aber das Ergänzende überwiegt. Stimmig ist auch bei beiden Zeitungen das Preis – Leistungsverhältnis. Ich jedenfalls freue mich auf Ausgabe 2/2015 genau so wie auf das vertraute gelbe Magazin.